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Vor genau vierzig Jahren endete eine Ära – die Dampfloks der Altbau-Baureihe 01 fuhren zum letzten Mal auf der Schnellzugstrecke von Dresden nach Berlin. Am 8. April 2017 gab es eine Revival-Fahrt, die neben der Neubelebung des Mythos‘ 01 gleichzeitig auch wieder ein Abschied sein könnte. In Zusammenarbeit verschiedener Eisenbahnvereine (u.a. Eisenbahn-Notalgiefahrten Bebra, Bayerisches Eisenbahnmuseum Nördlingen, Ostsächsische Eisenbahnfreunde Löbau) wurde ein bunter Schnellzug mit der passenden Zugmaschine 01 066 zusammengestellt, der am 8. April anlässlich des 9. Dresdner Dampfloktreffens von Dresden Hbf nach Berlin Ostbahnhof fuhr.

So etwas hat der ehrwürdige Dresdner Hauptbahnhof vermutlich schon länger nicht gesehen. Nicht nur die Tatsache, dass hier historisches Rollmaterial abfährt, auch die Länge des Zuges war beeindruckend: 13 Wagen, die bei weitem nicht auf jeden der Unterwegsbahnhöfe gepasst haben. Das lag unter anderem daran, dass der Zug nicht die normale Hauptstrecke nach Berlin nahm, sondern über Falkenberg (Elster) und Jüterbog fuhr. Da sieht man wenigstens noch was von der Strecke. Die 100 km/h dürfte der Zug so gut wie nie überschritten haben, die Männer auf der Lok haben trotzdem alles gegeben, um die teils erheblichen Verspätungen wieder einzuholen.

Der längste Unterwegshalt fand in Jüterbog statt. Hier musste die 01 mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr auf einem Gütergleis Wasser fassen, was den Fahrgästen ermöglichte, dem gut gefüllten Zug für eine reichliche halbe Stunde zu entkommen. Da bestand ausreichend Gelegenheit um die Wagen und die Lok von außen zu fotografieren und manche Entdeckung zu machen. So befand sich im Zug neben allerhand Reichsbahn-Reko- und Neubauwaggons ein stilechter Schürzenwagen aus den dreißiger Jahren mit schicker Holzverkleidung in Gängen und Abteilen, sowie einige ältere Bundesbahn-Exemplare.

Die Ankunft in Berlin-Ostbahnhof erfolgte mit einer knappen Stunde Verspätung. Grund dafür: Verzögerung beim Wasserfassen und diverse Kreuzungshalte. Immerhin gut drei Stunden blieben zur Stadtbesichtigung, geplante Abfahrt war 17:13 Uhr. Trotz pünktlicher Rückkehr zum Ostbahnhof verzögerte sich die Bereitstellung erheblich. Als 17:15 Uhr noch immer kein Zug in Sicht war, erfolgte eine Durchsage, dass der Dampfsonderzug nach Dresden etwa fünfzehn Minuten später abfahren würde, Grund dafür sei eine technische Störung am Zug. Aus den fünfzehn Minuten wurden schon bald fünfzig, Gerüchte über defekte Lok(s) und Wagen machten die Runde. Am Nachbargleis wurde unterdessen ein weiterer Sonderzug angekündigt, der ebenfalls nach Dresden fahren sollte. Dabei handelte es sich allerdings um eine andere Veranstaltung zum gleichen Anlass, nämlich den Schnellzug „Metropol“.

Als nach gut einer Stunde endlich der richtige Sonderzug auf Gleis 3 bereitstand, erfuhren wir per Durchsage im Zug endlich den Grund der Verspätung. Das Personal des „Metropol“ war mit dem gesamten Zug in das BW eingerückt, in dem zuvor die 01 des anderen Zuges abgestellt wurde und hatte die Lok damit „zugeparkt“. Dass unser Zug zuerst fahren sollte wusste plötzlich keiner mehr, daher musste man warten, bis die Kollegen samt Lok und Zug abgefahren waren, bevor es weitergehen konnte. Die Verspätung konnte auf der Rückfahrt nur teilweise aufgeholt werden. In Jüterbog wurde erneut Wasser gefasst, dieses Mal ohne die Möglichkeit auszusteigen. Danach ging es gefühlt deutlich schneller weiter, in der beginnenden Dämmerung ließ sich deutlich sichtbarer Funkenflug ausmachen.

Die Ankunft in Dresden erfolgte schließlich mit knapp neunzig Minuten Verspätung. Danach fuhr der Zug noch über Chemnitz und Altenburg nach Leipzig-Plagwitz, wo er schließlich gegen 2:30 Uhr ankam. Ursprünglich geplant war 1:00 Uhr. Von Dresden bis Leipzig zog ein „Holzroller“ der Baureihe 211 den Zug, eine Diesellok der BR 225 half beim Schieben. Beide Fahrzeuge gehören heute der Eisenbahngesellschaft Potsdam. 211 030-2 präsentierte sich im Original-DR-Lack, Abnutzung inklusive.

Alles in allem eine gelungene Fahrt, trotz aller Verspätung. Aber einem Dampfzug verzeiht man das eher als einer Hightech-Maschine, bei der jeder Handgriff teil der Programmierung ist. Wie es mit der 01 066 weitergeht ist aktuell noch unklar. Die Kesselfrist läuft in Kürze ab, eine erneute Untersuchung und Zulassung wird teuer. Bleibt zu hoffen, dass die Lok weiterhin betriebsfähig bleibt, auch wenn sie schon lange nicht mehr in ihrem ursprünglichen Heimat-BW stationiert ist. In jedem Fall war es auch für jüngere Eisenbahnfans eine Freude, die legendäre Lok auf Teilen ihrer Stammstrecke erlebt zu haben.

Original-Artikel mit Fotos: http://michiseiler.blogspot.de/2017/04/revivalfahrt-dresden-berlin-feat-br-01.html

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