Feb 15

War früher wirklich alles besser?

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Es war einmal wirklich besser?

1960, geboren im Jahr der Ratte laut chinesischem Horoskop. Adenauer war Bundeskanzler und Mali wurde an meinem Geburtstag eine unabhängige Republik. Aber das interessierte mich damals nicht wirklich.

Ich lebte mit meinen Eltern fast zwei Jahre in der kleinen Wohnung meiner Oma- heute unvorstellbar für die jetzige Generation. Es gab eine Küche mit fließendem Wasser, kalt natürlich, ein winziges Klo mit einer Tür, in der in der oberen Hälfte ein Fenster eingesetzt war, dass dekorativ mit einer Rüschengardine als Sichtschutz versehen war. Ein Wohnzimmer, in dem auch geschlafen wurde und überging in ein Schlafzimmer, das nur mit einem Vorhang abgetrennt werden konnte. Beheizt wurden Küche und Wohnzimmer über Kohleöfen. Das dafür notwendige Heizmaterial, wie Eierkohle und Briketts brachte der “Kohlenmann” und wurde über eine Schütte direkt in das Kellerfenster gefüllt.

Aber an diese Zeit kann ich mich nur noch bruchstückhaft erinnern, wohl aber den Gang auf die Baustelle unseres neuen Zuhauses: Eine Wohnung in einem 6-Familienhaus in einer neu erstellten Siedlung , den der größte Arbeitgeber der Stadt errichten ließ.

Mein Vater erklärte mir stolz, dass ich dort ein eigenes Zimmer bekäme, mit Heizung. Und dass wir ein Badezimmer hätten, mit Badewanne, in die man direkt das warme Wasser einfüllen könnte.

Welche Revolution und welche zukunftsträchtigen Aussichten. Nur dass ich die Begeisterung nicht ganz teilen konnte, da ich die Verbesserung kaum verstand und eigentlich nicht aus der gemütlichen Enge des Hauses mit Garten weg wollte.

Aber es wurde doch noch ganz nett. Die Siedlung wuchs, die Wohnungen wurden alle mit Familien belegt und ich schloss jede Menge Freundschaften.

In unserem Haus wohnten leider nur Jungs, davon zwei die schon etwas älter waren und so blieb nur noch Uwe schräg über uns, mit dem ich Autorennen und “Spitz Pass auf” spielen konnte.

Direkt über uns wohnte Detlev mit seinen Eltern, die man kaum sah und wahrnahm, bis auf die Tage, an denen es Schnitzel gab und seine Mutter mit Inbrunst die Schnitzel platt und weich klopfte und damit das ganze Haus beschallte.

Unter mir wohnte Ralf, der eigentlich vom Alter her als Spielkamerad gepasst hätte, aber zwischen seiner Mutter und meiner Mutter herrschte eine Todfeindschaft.

Ich habe nie wirklich verstanden, warum diese beiden Frauen sich so hassten und sich diese Feindschaft auf uns Kinder übertrug. Aber Familie Hansche war Feindbild Nummer 1 und wurde mit Missachtung gestraft.

So wurde nicht gegrüßt, die Haustür bei Annähern einer diesen Personen bewusst zugeschlagen und jede Neuanschaffung von Wäsche oder Bekleidung, die damals öffentlich auf dem Leinenplatz wehte, missgünstig und boshaft schlecht geredet.

Wenn ich in den Keller geschickt wurde, um einen Eimer der mir verhassten schmutzstarrenden Kartoffeln zu holen, oder um neue Getränke aus den Kästen zu tauschen, sauste ich immer mit einer affenartigen Geschwindigkeit aus dem ersten Stock in den Keller, drückte nochmals das Dauerlicht im Flur, ließ die Tür zum Gang der Kellerabteile offen, schaltete das Licht an und versuchte, blitzschnell das Zahlenschloss zu lösen, um in unseren Kellerraum zu gelangen.

Wenn alles gut ging, schaffte ich es, alles zu erledigen, Schloss wieder davor, Licht aus und Tür zu und nochmals das Dauerlicht im Hauptflur drücken, so dass ich im Hellen wieder oben ankam.

Bildquelle: CCO Public Domain via Pixabay by PeteLinforth

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